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Mittwoch, 25. Juli 2018

{Filmrezension} Love Simon inklusive Vergleich zum Buch!

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"Love Simon" ist einer der Film gewesen, auf die ich mich 2018 besonders gefreut habe, denn der Cast ist sensationell, der Trailer unterhaltsam und die ersten Rezensionen aus den USA überhäuften den Film mit Lobgesang. Der Kinobesuch selbst fing zumindest gut an, denn da wir die Vorstellung um halb 6 besuchten (eine für mich untypische Uhrzeit), hatten wir den Saal komplett für uns. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt schon mal im Kino erlebt habe, denn meist waren dann doch immer noch 4-5 andere Leute mit dabei. So konnten meine Freunde und ich den Film ganz besonders genießen und hatten eine Menge Spaß im Kino, konnten munter Szenen kommentieren oder im Falle der Buchleserin den Unmut über die Abweichungen loswerden. Das war natürlich auch deshalb möglich, weil "Love Simon" nun kein anspruchsvoller Film ist auf den man sich durchweg konzentrieren muss, man kann auch so dem Verlauf super folgen. Trotz des ganzen Rummels um den Film fällt mein Fazit zu ihm jedoch etwas anders aus, denn ich kann die Begeisterung vieler nicht teilen und hoffe damit auch niemanden auf die Füße zu treten. Geschmäcker sind am Ende unterschiedlich und auch wenn ich Spaß an "Love Simon" hatte, hatte ich vom Film doch etwas ganz anderes erwartet.





Allgemeines über "Love Simon":


Urheberrecht: 20th Century Fox
Erscheinungsdatum: 28. Juni 2018
Genre: Drama, Liebesfilm, Komödie
Länge: 110 Minuten
FSK: Ab 0 Jahren freigegeben
Regisseur: Greg Berlanti ("Riverdale", "The Flash", "Arrow")
Cast: Nick Ronbinson ("Die 5. Welle", "Jurassic World") als Simon Spier, Katherine Langford ("13 Reasons Why") als Leah, Jennifer Garner als Emily Spier, Joshua Duamel als Jack Spier, Alexandra Shipp ("X-Men: Apocalypse") als Abby, Jorge Lendeborg Jr. ("Spider-Man: Homecoming") als Nick, Logan Miller ("Before I Fall") als Martin, Keynan Lonsdale ("The Flash") als Bram und Tony Hale ("Veep", "Arrested Development") als Mr. Worth
Sonstiges: Basiert auf dem Jugendroman "Nur Drei Worte" von Becky Albertalli




Inhalt von "Love Simon": 


Simon ist 17 Jahre alt und eigentlich wie jeder andere auch, doch er hat ein großes Geheimnis das er vor seiner Familie, seinen Freunden und Klassenkameraden verbirgt: Er ist Schwul. Nachdem ein Schulkollege sich im Internet anonym auf einem Blog outet, tritt Simon mit dem Unbekannten per Mail in Kontakt. Dieser versteht ihn wie niemand sonst und so ist es nicht überrascht, dass Simon bald Gefühle für den anderen Jungen entwickelt. Doch als sein Geheimnis droht aufzufliegen, muss Simon sich mit seiner eigenen Identität und seinen Ängsten auseinandersetzen und sich fragen was er wirklich will.



Urheberrecht: 20th Century Fox



Meine Meinung: Trotz wichtigem Thema verpasst "Love Simon" es der Film einer Generation zu werden und verkommt zu kitischigem Popcorn-Kino:



"Love Simon" ist einer der Filme, auf die ich mich in diesem Jahr ganz besonders gefreut habe, da er in den USA einen regelrechten Hype auslöste (sogar als Film einer Generation bezeichnet wurde, der so viel verändern kann) und ich auch über das Buch, welches ich noch nicht gelesen habe, nur Gutes gehört habe. Nach meinem Kinobesuch muss ich ernüchtert feststellen, dass ich mir unter dem Film etwas anderes vorgestellt habe, nämlich eine kritischere Auseinandersetzung mit dem  Thema Coming Out, die neben den Ängsten auch all die Schwierigkeiten eines solchen Schrittes aufzeigt. Was ich bekommen habe war unterhaltsames Popcorn Kino, mehr nicht.

Versteht mich nicht falsch, natürlich ist es nicht Schlimm, dass der Film von Greg Berlanti ein Mainstream Publikum anspricht und vor allem unterhalten möchte, aber dadurch werden die  Zuschauer nur selten mit der Realität von Homosexuellen konfrontiert. Was einem geboten wird wirkt fast schon utopisch, wenn alle das Coming Out von Simon beklatschen, sogar frenetisch feiern und niemand ein Problem damit hat. Natürlich sollte das in der heutigen Zeit so ablaufen, aber tut es nicht. Der Alltag vieler Homosexueller sieht anders aus und besteht immer noch zu großen Teilen aus Anfeindungen und Vorurteilen, die nicht nur von Fremden stammen, sondern häufig von Freunden, Schulkameraden, Kollegen oder der eigenen Familie kommen. Sicherlich fragt sich nun der eine oder andere Leser wie ich das beurteilen kann: Ich habe selbst homosexuelle Freunde und kenne ihre Erfahrungen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle deren Fazit zum Film wiedergeben: Er hilft Betroffenen nicht, da er nicht deutlich genug aufzeigt was so ein Coming Out nach sich zieht.

In manchen Szenen kratzt "Love Simon" tatsächlich nicht nur an der Oberfläche und wird tiefgründiger, beispielsweise wenn Ethan erzählt, dass seine Mutter immer noch jedes Wochenende Geschichten über seine Dates mit Mädchen erfindet, da seine Großmutter halt noch anders erzogen ist. Eine Erfahrung, die viele Homosexuelle teilen und extrem schmerzlich ist.  Doch leider sind diese Momente zu schnell wieder vorbei, was schade ist. So bleibt der Film ganz klar unter seinen Möglichkeiten. Natürlich ist dies auch dem Buch geschuldet, das ist auch mir als Nicht-Leser bewusst, aber mit ein paar Änderungen hätte der Film so viel mehr erreichenund das Kinopublikum für die Probleme von Homosexuellen sensibilisieren können. 

So viel zu meiner Kritik, denn abseits davon gibt es auch viele Dinge die mir am Film gut gefallen haben, das beginnt schon einmal damit, dass es ein Jugendfilm ist, dessen Hauptfigur schwul ist. Das war lange Zeit überfällig und in der Hinsicht ist "Love Simon" revolutionär und gerade deshalb schmerzt es mich so, dass das Potenzial nicht komplett ausgeschöpft wurde. Gefallen hat mir auch der Cast, der aus vielen talentierten Jungdarstellern besteht, die perfekt miteinander harmonieren. Man spürt, dass die Schauspieler auch abseits des Sets viel Zeit miteinander verbracht haben und Freundschaften entstanden sind. Nick Robinson schafft es dazu die Ängste von Simon glaubhaft darzustellen und als Zuschauer fiebert man natürlich mit seiner Figur mit. Leider wusste ich schon vorab wer sich hinter "Blue" versteckt, aber für all diejenigen die noch nicht gespoilert sind, macht es sicherlich auch Spaß zu rätseln um wen es sich handelt, denn immer wieder wird man hier auf falsche Fährten geführt. Weitere Pluspunkte gibt es für den genialen Soundtrack, sowie einigen lustigen One-Linern, die dazu geführt haben, dass ich mich zumindest nicht gelangweilt habe. Und natürlich ist auch am Ende die Botschaft eine Schöne: Jeder hat es verdient glücklich zu sein, niemand sollte sich für seine sexuelle Orientierung schämen müssen und sich selbst treu bleiben können, ohne angefeindet zu werden.




Vorsicht Spoiler: Vergleich zwischen Buch und Film: 


An dieser Stelle möchte ich einer guten Freundin danken, die die diesen Vergleich getippt hat, denn anders als Nicolette habe ich die literarische Vorlage noch nicht gelesen und kann mich dementsprechend nicht zu diesem Thema äußern. Ob sie die Umsetzung gelungen findet, welche Änderungen sie stören und welche ihr gefallen haben, erfahrt ihr nun nachfolgend (auch hier der Hinweis: Es handelt sich um ihre ganz persönliche Meinung) und ich warne hier noch einmal: Weiterlesen auf eigene Gefahr, denn der Text beinhaltet Spoiler für all diejenigen, die weder das Buch gelesen noch den Film gesehen haben:

Man muss wohl damit beginnen zu sagen, dass Love, Simon im Vergleich mit anderen Buchverfilmungen der Vorlage doch relativ treu geblieben ist, was die Handlung im Allgemeinen betrifft. Und natürlich wurden auch gewisse Änderungen durchgeführt, bei denen man als geübter Buchadaptionen Schauer nur noch den Kopf schüttelt: wo ist beispielsweise Alice, Simons ältere Schwester? Warum ist aus der Aufführung von Oliver! eine Produktion von Cabaret geworden? Außerdem ist da die Tatsache, dass Leah von der schlanken Katherine Langford portraitiert wird, was im Netz für großen Unmut unter Fans des Buches geführt hat.

Was hier allerdings alles ändert ist, dass viele große Vorkommnisse in der Geschichte unfassbar dramatisiert wurden. Im Buch wird ein bösartiger Post verfasst, der Simon outet? Jetzt werden all seine Mails veröffentlicht! Er wird in einem Kurs Opfer einer homophoben Aktion, die von Mitschülern beendet und von einer Lehrkraft geahndet wird? Jetzt findet das Ganze vor der gesamten Schule statt und endet mit einer Konfrontation zwischen allen Involvierten, bei der sich die Täter entschuldigen müssen. Und im Finale des Films interessieren sich so gut wie alle bis hierhin bekannten Charaktere so für Simons – jetzt sehr öffentliches – Liebesleben, dass sie alle da sind um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Es gab viele solcher Szenen, und alle zusammen führten sie dazu, dass Buch und Film plötzlich Welten trennen.

Die wichtigsten Momente im Buch waren meist privat, betrafen nur wenige Menschen. Und dadurch wurde die Geschichte geradezu real – kaum eine reale Liebesgeschichte involviert die halbe Schule. Ein Streit mit Freunden führt nicht automatisch zu einer Außenseiterrolle. Und der schlimmste Fall (mein Schwarm spricht nicht mehr mit mir, weil unsere Gespräche veröffentlicht wurden) muss nicht immer eintreten. Macht das diese Situationen weniger spannend, weniger wichtig? Auf keinen Fall. Nur drei Worte hat das verstanden und dadurch eine Handlung gesponnen, die beim Leser als tatsächlich möglich ankommt. "Love, Simon" ist hingegen eine Hollywood Romanze wie jede andere – schön anzusehen, aber letztendlich unerreichbar.


P.S.: Dass man ein paar zusätzliche Momente eingebaut hat, in denen man Simon und Bram bei Unternehmungen sieht (Karaoke!), war wahrscheinlich für jeden Zuschauer, der das Buch gelesen hat, Gold wert!


Wer von euch hat den Film schon gesehen?
Wer das Buch gelesen?
Wie fällt eure Meinung aus?

Kommentare :

  1. Den Film habe ich bisher noch nicht gesehen; ich glaube der läuft nicht mal hier im Kino. Dementsprechend wäre der für mich sowieso eher an einem gemütlichen "DVD" Abend gelaufen. Ich denke als nette Unterhaltung ist der ganz gut geeignet. ;)

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    1. Für einen DVD Abend ist der definitiv gut geeignet und wenn du dich auf nette Unterhaltung einstellst, dann wirst du damit auch glücklich. Das beschreibt es nämlich ganz gut.

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  2. Hey!
    Ein wirklich toller und gelungener Beitrag.
    Ich kenne Film und Buch und muss sagen, dass mir beides wahnsinnig gut gefallen hat, auch wenn insbesondere der Film nicht bahnbrechend ist. Dennoch finde ich es schön, dass sich die Macher dem Thema angenommen haben, auch wenn es stellenweise sehr überdramatisiert wirkte..
    Das Buch hat mir richtig gut gefallen, besonders auch die Aspekte, die etwas privater, im kleineren Rahmen verliefen.
    Ich wusste übrigens weder beim Film noch beim Lesen, wer Blue ist, auf ihn habe ich erst relativ spät getippt.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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    1. Dankeschön Nicci für dein liebes Kompliment <3.
      Das man sich dem Thema angenommen hat, fand ich auch super, nur die Umsetzung war wie gesagt jetzt nicht ganz meines, auch wenn ich Spaß beim anschauen hatte. Somit habe ich es jetzt nicht bereut im Kino gewesen zu sein. Dann war der Film in die Richtung definitiv spannender. Ich hatte nur zuvor die MTV Movie & TV Awards angeschaut gehabt und dadurch wusste ich schon wer die Person ist.

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  3. bisher hatte ich von dem film noch nichts gehört aber hört sich wirlich gut an, muss ich mir auf jeden fall mal anschauen (:
    ganz liebe grüße♥

    http://laraloretta.blogspot.com/

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    1. Freut mich zu hören das ich dich neugierig machen konnte :).

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  4. Hallo :)

    Ich habe das Buch erst vor kurzem als Hörbuch gehört und obwohl ich die Thematik LGBT sehr wichtig finde, hat mich die Story jetzt nicht so vom Hocker gehauen, wie ich es bei dem Hype erwartet hätte :/ Den Filmtrailer fand ich aber sehr niedlich gemacht und ich möchte mir unbedingt noch die Verfilmung dazu anschauen. Schade, dass sie dich nicht restlos überzeugen konnte, aber ich finde, du hast sehr nachvollziehbar begründet, warum dem so war. Die Spoiler habe ich mal nicht gelesen, weil ich den Film noch nicht kenne :)

    Liebe Grüsse ♥
    paperlove von Between the Lines.

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    1. Dankeschön für deine lieben Worte <3.
      Es freut mich zu hören, dass du meine Kritik nachvollziehen kannst, denn das war mir wichtig da intensiver drauf einzugehen. Bei mir lag es halt echt daran, dass ich mehr tiefe und eine realistische Darstellung erwartet hatte, wenn du aber mit der einstellung dran gehst einen süßen Jugendliebesfilm zu sehen, wo die Hauptfigur schwul ist, dann machst du nichts falsch. Niedlich trifft es nämlich ganz gut.

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  5. Hallo Nicole,

    mich konnte Love, Simon auch nicht zu 100% überzeugen. Ich fand den Film gut, aber auch ein bisschen 0815 irgendwie. Auf diesen Film habe ich mich dieses Jahr am meisten gefreut und habe mir ebenfalls mehr erwartet, es war aber ein klassischer Teeniefilm wie jeder andere auch fand ich. Nur dass die Hauptperson eben schwul war, das wars. Besonders mit dem Ende war ich unzufrieden und es hat mir den Film etwas versaut, denn ich fand es wirkte einfallslos, als ob man kein vernünftiges Ende parat hatte und es nur schnell hinter sich bringen konnte.
    Dafür fand ich die Besetzung wirklich klasse. Besonders Nick Robinson, den ich schon in mehreren Filmen gesehen habe, hat mir in diesem mit Abstand am besten gefallen. Ich finde er hat Simon wirklich toll gespielt!
    Also alles in allem ein guter Film, aber warum er so hoch gelobt wird kann ich auch nicht nachvollziehen ... Ob ich das Buch noch lesen möchte oder nicht weiß ich noch nicht.

    Alles Liebe, Laura

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    1. Dankeschön für deine lieben Worte Laura.
      Da denken wir ja ähnlich und mir ging es wie dir: Ich habe mich so auf den Film gefreit. Bin ja eh ein Fan des Genres und hatte mir hier so viel erhofft. Ich fand das Ende halt auch unrealistisch, ganz ehrlich das läuft im echten Leben nicht so und dementsprechend war ich da sogar verärgert. Natürlich muss man dem Film hoch anrechnen das die Hauptfigur schwul ist, aber gerade weil Greg Berlanti ja selbst homosexuell ist, hatte ich erwartet, dass er das etwas realistischer zeigt. Er hat bestimmt auch nicht nur positive Erfahrungen gemacht.

      Nick Robinson ist soo toll <3. Kenne ihn auch schon von Jurassic World und Die 5. Welle, da hat er mir auch immer gut gefallen. Dem ist auch eine große Karriere gewiss und ich bin schon gespannt ,was da noch so kommt. Katherine Langford auf der anderen Seite finde ich seit Tote Mädchen Lügen Nicht ja sowieso hammer. Das Mädel ist so talentiert, auch hier bin ich so gespannt auf zukünftige Projekte. Die hat auch das Zeug eine ganz große in Hollywood zu werden.

      Das ist mit den Hypes ja immer so eine Sache. Ich kann die auch oft nicht nachvollziehen. Das Buch soll ja recht ähnlich sein bzw. halten sich die Abweichungen hier ja in Grenzen. Ich werde es auch nicht mehr lesen, mir reicht der Film.

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  6. Ich habe den Film leider noch nicht gesehen, mochte das Buch aber sehr. :)

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